Wahlsonntag im Jura

Die europäischen Staaten, so wie wir sie heute kennen, entstanden in der Regel entlang der Vorstellung, dass alle Menschen, die dem selben „Volk“ angehören, im selben Staat leben sollen. Dass die Grenzziehung zwischen den Verbreitungsgebieten benachbarter Sprachgruppen nicht immer so einfach war, wie es die nationalistischen Ideologen darstellten, zeigt die lange Reihe von Kriegen, die die europäischen Nationalstaaten gegeneinander führten. Einen anderen Weg ging die Schweiz. Das Verbindende zwischen Deutsch- und Welschschweizer/innen, italienischsprachigen Tessiner/innen und Räterroman/innen ist nicht eine gemeinsame Sprache, Religion oder Ideologie, sondern eine gemeinsame Verfassungstradition. Auch innerhalb der Schweiz verliefen die Grenzen oft nicht zwischen den Sprachgruppen. Das trennende Element war historisch vielmehr die Religionszugehörigkeit. So kam es, dass deutsch- und französischsprachige Schweizer/innen friedlich im selben Kanton zusammen lebten, solange sie nur alle z.B. im Wallis/Valais oder in Freiburg/Fribourg katholisch waren. Anders im mehrheitlich reformierten Kanton Bern, im Juragebirge und nördlich davon lebte hier eine katholische und französischsprachige Minderheit. Zwischen Bern und Jura kam es schon im 19. Jahrhundert zu religiös motivierten Konflikten, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg zu ernsthaften Auseinandersetzungen zwischen den Sprachgruppen entwickelten. Nach mehreren lokalen und einer eidgenössischen Volksabstimmung wurde am 1. Januar 1979 der nördliche Teil des Juras, katholisch und französischsprachig, vom Kanton Bern, reformiert und deutschsprachig, getrennt und ein eigener Kanton. Der zwar ebenfalls mehrheitlich französischsprachige, aber eben auch mehrheitlich reformierte südliche Teil des Jura blieb bei Bern. Bis heute gibt es aber Bestrebungen, den Nord- und Süd-Jura in einem Kanton zu vereinigen.

Am 24. 10. 2010 wählen die Bürger/innen des Kantons Jura ein neues Parlament und eine neue Regierung. Die derzeitige Sitzverteilung stellt sich wie folgt dar:

Parlament
Parti démocrate-chrétien/Christlichdemokratische Volkspartei PDC/CVP – 19 Sitze
Parti socialiste/Sozialdemokratische Partei PS/SP – 13 Sitze
Parti libéral-radical/Freisinnig-Demokratische Partei PLR/FDP – 11 Sitze
Christlich-soziale Partei/Parti chrétien-social indépendant CSP/PCSI (linkskatholisch) – 9 Sitze
Union démocratique du centre/Schweizerische Volkspartei (rechtspopulistisch) UDC/SVP – 3 Sitze
Combat socialiste et Parti ouvrier populaire CS-POP (Bündnis aus Combat socialiste und der Kantonalgruppe der Parti suisse du Travail – Parti Ouvrier et Populaire/Partei der Arbeit der Schweiz PST-POP/PdA) – 3 Sitze
Verts/Grüne – 2 Sitze

Regierung
2 PDC/CVP
1 PLR/FDP
1 PCSI/CSP
1 PS/SP

Für die Regierung stehen morgen elf Männer und zwei Frauen auf acht Listen zur Wahl: PDC, PCSI, CS-POP, PS, PLR, Verts, UDC und ein Kandidat des Mouvement Indépendant et Sans Parti du Jura (ISPJ).

Für die 60 Sitze im Parlament bewerben sich 268 Männer und 116 Frauen auf sechs oder sieben Listen, je nach Wahlkreis. Die Abgeordneten werden nämlich nicht landesweit, sondern in drei getrennten Wahlkreisen gewählt.

Es kandidieren ausschließlich die bereits im Parlament vertretenen Partei, wobei die CS-POP – so wie bereits 2006 – nur im Wahlkreis Delémont antritt.

Die Grünen erreichten 2006 je ein Mandat in den Wahlkreisen Delémont (Hubert Godat) und Porrentruy (Erica Hennequin) jedoch keines in Franches-Montagnes.

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Eine Antwort zu Wahlsonntag im Jura

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