Vorarlberg. Hochburg der Sonstigen

12 Listen werden in Vorarlberg auf dem Stimmzettel für die Nationalratswahl stehen. Das wird dann schon eher ein Stimmplakat, als ein Zettel.
Ein Vergleich mit den anderen Nationalratswahlen nach 1945 zeigt ein paar interessante Trends.

  1. Die Zahl der Listen und damit die Zahl der Parteien, die es nicht in den Nationalrat schaffen und damit auch ihre Wähleranteil nimmt zu. 1966 erreichte die Demokratische Fortschrittliche Partei (DFP) von Franz Olah, eine rechtspopulistische SPÖ-Abspaltung, in Vorarlberg 3,22 %. Ansonsten waren die Wahlergebnisse der „Sonstigen“, die den Einzug in den Nationalrat nicht schafften, bis 1979 und nochmals 1986 meist (in Summe) unter einem Prozent, nur 1959 und 1962 knapp darüber. 1983 erreichten die Sonstigen zusammen 5,16 %, davon 2,65 % für die „Vereinten Grünen“ (VGÖ) und 2,0 % für die Alternative Liste (AL). 1986 gelang den Grünen durch ein gemeinsames antreten der Parlamentseinzug.
    Das (bisherige) Rekordergebnis verzeichneten die Sonstigen 2006 mit 12,11 %. Den größten Anteil daran hatte die Liste von Hans-Peter Martin mit 7,71 %. 2008 waren es immerhin noch 8,49 % mit 3,43 % für die Liste Fritz (Dinkhauser) und 2,53 % für das Liberale Forum (LIF). Die meisten Listen, nämlich elf, gab es 1994. Die Sonstigen erreichten zusammen aber nur magere 2,28 %, unter anderem weil erstmals fünf Parteien bei einer Nationalratswahl erfolgreich waren (SPÖ, ÖVP. FPÖ, Grüne und LIF).
  2. Verglichen mit dem bundesweiten Ergebnis war das Landesergebnis der Sonstigen bis 1979 und nochmals 1986 schlechter. Dies ist v. a. darauf zurück zu führen, dass die Sonstigen bis dahin vor allem aus der KPÖ bestanden und diese ihre Hochburgen im Osten Österreichs hatte und hat. 1983 war das Landesergebnis der Sonstigen durch das überdurchschnittliche Ergebnis der beiden Grünparteien besser als im Bundesschnitt. Von 1990 an war es nur einmal, nämlich bei der vorgezogenen Wahl 1995 etwas schlechter. Vorarlberg wurde also in den letzten Jahrzehnten zu einer Hochburg für die Sonstigen.
  3. Drei Mal lag das Wahlergebnis einer Partei in Vorarlberg über 4 %, während diese Partei österreichweit an der Vierprozenthürde scheiterte: 1990 die VGÖ mit 4,56 %, 1999 das LIF mit 4,82 % und 2006 Hans-Peter Martin mit 7,71 %. Auch VGÖ und AL erreichten 1983 zusammen 4,65 %, während sie bundesweit auch zusammen genommen unter 4 % blieben.
Wahl Vbg. Bemerkung Bund Differenz
2008 8,49 LIF: 2,63, Fritz: 3,43 6,09 2,4
2006 12,11 Matin: 7,71 4,1 8,01
2002 3,21 LIF: 1,62 1,71 1,5
1999 6,43 LIF: 4,82 5,71 0,72
1995 1,25 NEIN: 1,05 1,44 -0,19
1994 2,28 1,63 0,65
1990 8,39 VGÖ: 4,56 3,73 4,66
1986 0,7 KPÖ: 0,7 1,03 -0,33
1983 5,16 VGÖ:2,65, AL: 2,0 4,15 1,01
1979 0,93 1,01 -0,08
1975 0,78 1,22 -0,44
1971 0,66 1,4 -0,74
1970 0,69 1,35 -0,66
1966 3,22 DFP: 3,22 3,74 -0,52
1962 1,26 3,52 -2,26
1959 1,4 3,32 -1,92
1956 0 0,06 -0,06
1953 0,08 0,4 -0,32
1949 0,08 0,51 -0,43
1945 0 0,19 -0,19
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